PETER AERSCHMANN [ video art ]

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Presseinformation

Peter Aerschmann: Videoinstallationen
Galerie annex 14 / 28.5. - 2.7.2005
Vernissage: Fr 27.5.2005 ab 18h

Die Einzelausstellung von Peter Aerschmann in annex 14 zeigt vier neue Videoinstallationen: eine Gross-projektion sowie drei Monitorarbeiten. Aerschmann zählt heute im Bereich der CH-Videokunst zu einem der wichtigsten und eigenständigsten Vertreter einer Generation, die den Alltag über das digital bearbeitete Bild reflektieren.

2005 hat Peter Aerschmann den Aeschlimann-Corti Förderpreis erhalten. Vom Kanton Bern wurde ihm das New York Atelier-Stipendium zugesprochen.

Man könnte Peter Aerschmann - im Sinne von Charles Baudelaire - als einen „Maler des modernen Lebens“ bezeichnen. Wie Constantin Guy, Baudelaires Protagonist im gleichnamigen Essay von 1863, findet Peter Aerschmann sein Material auf Strassen und Plätzen, an Bahnhöfen und ähnlichen öffentlichen Räumen. Als Künstler des 21. Jahrhunderts skizziert er allerdings nicht mehr mit dem Bleistift, sondern zeichnet mit der Videokamera auf. Dieses digitalisierte Material wird bearbeitet , die Motive (Figuren, Autos, Bäume, Tiere, Häuser) werden isoliert und neu zu fiktiven Szenarien gefügt, die allesamt einer Art Antidramaturgie folgen.

Der Loop, die Wiederholung des - scheinbar - immer Gleichen und die unauflösliche Verschränkung von Wandel und Kontinuität ziehen sich als Tiefenstruktur durch Peter Aerschmanns Werk hindurch. Die Akteure seines Universums propagieren eine Existenzweise, die sich in der Ziel- und Zwecklosigkeit ihrer Bewegungen und Handlungen erfüllt. Zwar fehlt jegliche psychologisch motivierter Erzählstruktur, dennoch bestechen die Miniaturen durch ihr Fantasie anregendes Potential. Sie sind nicht frei von Komik, sie streifen gar das Absurde und lassen immer wieder für Augenblicke eine irritierende Leere aufscheinen.

Die fehlende Tiefenschärfe wie das leicht erkennbare Montageprinzip geben die Szenerien bewusst als konstruierte Orte zu erkennen. Die Bilder oszillieren von ihrem Status her zwischen dokumentarischer und synthetischer Existenz, zwischen Abbild und Simulation. Damit schlagen sie eine Brücke zur konkreten Realität, sie schaffen Distanz dazu und öffnen so über den virtuellen Raum hinaus Reflexions- und Imaginationsräume.