PETER AERSCHMANN [ video art ]

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ROOFTOP

Peter Aerschmann ist ein Künstler der Wiederholung. Die Repetition des Gleichen führt bei ihm jedoch nicht zu Stillstand, im Gegenteil, seine Loops stimulieren das Schauen und Denken. Er setzt die technischen Möglichkeiten des Computers nicht mit dem Ziel ein, Perfektion zu erreichen. Vielmehr sind seine Bildmontagen leicht durchschaubar und eröffnen gerade dadurch Raum für Imagination, Reflexion und Fantasie.

Rooftop, Aerschmanns neuste Arbeit, zeigt ein Dach über Alexandrien, das von seiner Grösse her schon fast als Ebene gelten kann. Passanten, ihrer Kleidung nach eindeutig im arabischen Raum zu verorten, lassen das Dach zum städtischen Platz werden – wenn nicht Parabolantennen den Ort eindeutig in die Höhe verwiesen. In früheren Arbeiten spielte Peter Aerschmann mit der Interaktion des Publikums. Rooftop kennt aber keine Knöpfe und Bewegungsmelder, mit denen sich das Bild verändern lässt. Die Betrachterin, der Betrachter ist ganz mit Schauen beschäftigt und folgt dem Panoramaschwenk der Kamera. Dabei sind immer wieder dieselben Figuren zu entdecken, einmal vorne, dann hinten, einmal alleine, dann in einer Gruppe. Die wandelnen Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren zeigen sich gerade in ihrer Wechselhaftigkeit als reine Konstrukte in der Vorstellung des Betrachters.

Es geschieht nichts in Rooftop, doch die Erwartung des Betrachters bleibt immer gespannt. Die Arbeit verweist damit jenseits der Ästhetik auf unsere eigenen Vorurteile, die in der Exotik der Situation immer auch Spektakuläres erwartet: Marktgeschrei, Eseltreiben, Bombenattentate. Peter Aerschmanns grosse Leistung mit Rooftop ist, uns bei dieser aufschlussreichen Selbstbeobachtung zu ertappen. Sein Dach über Alexandrien erstrahlt in schöner Normalität.

(Fanni Fetzer, Kunsthaus Langenthal, 2006, 'Jurybericht Aeschlimann-Corti Stipendien)